Baugeschichte Wallfahrtskirche Brommer

 

Mit der Endinger Stadtgründung eng verbunden wurde die schon in karolingischer Zeit bestehende St.Martinskirche, die nicht mit der möglicherweise ebenso alten St.Klemenskirche verwechselt werden dürfe. Bernhard Schelb betonte, daß die Üsenberger etwa zwischen 1250 und 1290 außerhalb der Altsiedelungen „eine ganz neue Stadt gegründet und gleichzeitig in deren Ummauerung die alten Dörfer mit den beiden Kirchen aufgenommen hätten. Er widersprach damit der Annahme Adolf Futterers, der in der St.Martinskirche auf dem „Fronberg" eine um 1200 durch das Kloster Einsiedeln als Ersatz für die St.Klemenskirche entstandene „neue, größere und wiederum geostete Kirche in romanischem Rundbogenstil" sah, die von 1455 ab als Pfarrkirche gegolten habe. „Das Tympanon oder Giebelfeld über dem Eingangsportal und die beiden Altglocken legen heute noch davon Zeugnis ab. Den Streit über die Entstehung der St.Martinskirche zu entscheiden, sei den Stadt- und Kunsthistorikern überlassen. 

An die Frühzeit der Endinger Kirchen erinnert uns noch jene „Thronende Muttergottes mit Kind", die wohl in Zusammenhänge um die Gründung der Stadt eingeordnet werden darf und heute zum bedeutenden Kunstbesitz des Freiburger Augustinermuseums gehört. Sie steht „in engster Verbindung zur Hüttenplastik des Freiburger Münsters vom Ende des 13. Jahrhunderts, besonders zum sogenannten Meister der inneren Portalmadonna." Motivlich mit dem Malerfenster im nördlichen Seitenschiff des Freiburger Münsters verwandt, erinnert die „Endinger Madonna" in ihrer mystischen Haltung nicht nur an eine Blütezeit mittelalterlicher Kunst am Oberrhein, sondern auch an die offensichtlich qualitätvolle Ausstattung der alten Endinger Stadtkirchen. 

In der Lösung des Filialverhältnisses der Endinger St.Martinskirche von Riegel sah A. Futterer den Anlaß zu einem größeren, spätgotischen St.Martinskirchen-Neubau in den Jahren 1470/71. Dessen 124 Fuß (39,28 Meter) hoher Turm mit dem charakteristischen, vom Viereck ins Achteck wechselnden Pyramidenhelm ,,soll aus Steinen der im Jahr 13 21 von den Üsenbergern und Endingern zerstörten Kolenburg erbaut" worden sein. Eckquader, zweiteilige Maßwerkfenster des Turms und die bocksgesichtigen Wasserspeier an den Strebepfeilern des Chors prägen noch das Bild der Kirche. Der gesamte bauplastische Schmuck an St.Martin wird dem Meister zugeschrieben, den die Inschrift des feingliedrigen Sakramentshäuschens im Chorraum nennt: Hans Herthoupt, 1471. Gegen eine verharmlosende Interpretation der grimassenschneidenden Wasserspeier wandte sich Johannes Werner, für den die Bocksköpfe Abwehrzeichen gegen Dämonen durch Vorhaltung des eigenen Bildes und Beispiele eines Massenwahns sind. 

Von der alten St.Martinskirche in den Neubau übernommen, blieb das romanische Tympanon über dem Hauptportal erhalten. In der halbkreisförmigen Giebelfeldplatte steht in einer hostienförmigen Scheibe das Lamm Gottes. Es trägt mit dem rechten Vorderfuß ein Kreuz zur Erinnerung an die Erlösungstat Christi. Zwei sternspeichige Sonnenräder als Königssymbole, Flechtbandmuster und die Darstellung von Fabelwesen beziehen sich auf Grundgedanken vieler romanischer Portaldekorationen: ,,Draußen rast die Welt mit ihren Leidenschaften, ihrer Hoffahrt und Heuchelei, ihrem Zwiespalt, ihren Lockungen und Gefahren: Komm herein, der du dich bedroht fühlst; du wirst Schutz finden und sichere H i l f e . D e m theologischen Fundamentalgedanken von Jesus Christus, dem Opferlamm und Herrn des Himmels und der Erde, unterliegt auch das Endinger Tympanon. Es kann in die große Reihe der monumentalen Bildzyklen an romanischen und gotischen Kircheneingängen eingefügt werden, die den Welterlöser in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen (Rex gloriae, Maiestas Domini). An kleineren Kirchen wurde der Gedanke meist auf ein entsprechendes Hauptmotiv konzentriert.^^ Professor Joseph Sauer setzte das St.Martinskirchentympanon mit einer im Elsaß und Baden-Württemberg verbreiteten Bildgruppe in Beziehung. 1846, beim Neubau des Langhauses, ließ Endingen die weiße Portalgiebelplatte durch eine nicht ganz originalgetreue Kopie aus rotem Sandstein ersetzen. Das alte Origina wurde am Fuß eines Bildstocks neben dem Weg zur Katharinenkapelle angebracht. Erst in neuerer Zeit fand es wieder Beachtung und konnte als ältestes Monument Endingens im Städtischen Museum geborgen werden. 

Eine Parallele zu den Maßangaben in der Vorhalle des Freiburger Münsters zeigt die „Endinger Elle", ein waagrecht in einen Stein eingelassener Eisenstab von 53,8 Zentimetern Länge, der in der Stirnwand der Martinskirche sitzt. Nähe des Marktplatzes und Sicherung des amtlichen Tuchmaßes (1 Elle = 8 Zoll) vor Frevel führten einst dazu, die „Elle" in Armhöhe an der Kirchenmauer anzubringen. 

Alt-Endinger Kunst präsentiert sich auch im Sakramentshäuschen (Vorläufer des Tabernakels) an der Nordwand des Chorraumes. 1471 von Hans Herthoupt, vermutlich dem Sohn des gleichnamigen Endinger Bürgermeisters, geschaffen, umschließt es eine mit profiliertem, reichem Stabwerk gefaßte Wandnische. Gewinnsüchtige, gewissenlose Kirchenräuber schreckten vor 30 Jahren nicht davor zurück, dort die beiden schlanken Heiligenfigürchen aus ihren flankierenden Nischen loszubrechen und so das Sakramentshäuschen schwer zu schädigen. Wie eine Krone überhöht ein dreieckig vorspringender Baldachin mit zwei Wimpergen, drei Fialen und einer mit Krabben besetzten, steilen Türmchenpyramide die vergitterte Wandnische. Die  Sakramentshäuschenkonstruktion sitzt auf einer wappengeschmückten Platte mit der Widmung des Bildhauers und wohl auch Stifters und ragt 4,60 Meter in die Höhe. 

Besondere Bedeutung für das religiöse Leben Endingens und des Kaiserstuhlgebietes erlangte die St.Martinskirche durch das ,,Tränenmirakel" vom Jahre 1615. Dieses Ereignis hat die schon bestehende Marienverehrung so stark beeinflußt und hält bis in unsere Zeit an, daß alles, was darüber zu berichten ist, zum Schlüsse unserer Betrachtung der St.Martinskirche zusammengefaßt wiedergegeben wird. 

Mit der Marienverehrung, die spätestens seit dem 15. Jahrhundert in Endingen blühte, hingen wohl auch die von 1661 bis 1694 dauernden Bemühungen der um die außerordentliche Seelsorge im Städtchen verdienten Franziskaner zusammen, in Endingen ein Klösterlein oder Hospiz gründen zu dürfen. 

Vor allem der Bischof von Konstanz schritt energisch gegen diese Versuche ein. An der Langhausrückwand der Kirche weist ein holzgeschnitztes Epitaph mit gewundenen Säulchen auf jene Zeit hin und stellt den 1685 verstorbenen St. Martinspfarrer Johann Georg Bauer kniend vor. In der Inschriftkartusche sind Datum und Signatur ,,Anno 1685 M.K." zu lesen. Unter Pfarrer Bauer wurde 1665 das im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannte Pfarrhaus wieder aufgebaut. Es galt auch, die großen Schäden an der Kirche zu beheben. Dachstuhl und gotisches Rippengewölbe wurden durch Flachdecken in Chor und Langhaus ersetzt. Gleichzeitig schuf man durch Verlängerung und Verbreiterung des Langhauses für die angewachsene Zahl der Gläubigen mehr Platz. Mit unsymmetrischem Grundriß, vier Säulenpaaren zur Deckenstützung, veränderter Eingangs- und Fenstereinteilung hielt die St.Martinskirche baulich so bis 1845 durch. 

1720 ließ Endingen den Kirchturm ,,renovieren", hielt aber im Ratsprotokoll fest, daß die ,,freiwillig und allein übernommene" Unternehmung ,,nichts praejudicieren" dürfe ,,und die Stadt solche oder andere dergleichen Arbeit künftig fertigen zu lassen, nit schuldig sei." Große Aufregung herrschte, als 1729 Diebe in die Martinskirche einbrachen und die heiligen Gefäße raubten. Unter anderm gingen die silbervergoldete Sonnenmonstranz, drei Kelche, ein Ciborium und die silberne Krone des Gnadenbildes verloren}^ Ob dieser Kirchenfrevel den Bau des neuen Hochaltars mitanregte, den Futterer in die ,,30er Jahre des 18. Jahrhunderts" datierte? Auswirkungen des Konzils von Trient, Seelsorgebewegung des 18. Jahrhunderts, Einbeziehung der Tabernakel in die Altartische und Siegeszug des Barock führten landauf, landab zu zahlreichen Altarneubauten. Um die stattliche Altarrückwand im Chorschluß unterbringen zu können, ließ man das zentrale Fenster zumauern. Ein Hinweis auf die bescheideneren Dimensionen des Vorgängeraltars! Die 1651 gegründete Rosenkranzbruderschaft sah in Maria ihre besondere Gnadenmittlerin und machte die Martinskirche zu einer Pflegestätte des Rosenkranzgebetes. HI. Dominikus, der Ordensvater der Prediger, und hl. Katharina von Siena, die allgemein verehrten Patrone der Rosenkranzbruderschaften, wurden in den Hochaltar als flankierende Statuen einbezogen. Laut Zuschreibung von Pfarrer Manfred Hermann sind in diesen Altarfiguren Werke des im nördlichen Breisgau vielbeschäftigten Vöhrenbacher Bildhauers Johann Michael Winterhalter (1706-1759) zu sehen. Am 1. August 1749 zog der Konstanzer Weihbischof Graf Fugger von Kirchberg und Weißenhorn in die Martinskirche ein und konsekrierte den neuen Hochaltar. 

Wir wissen nicht, zu welcher Endinger Pfarrkirche der auf der 14. Stationstafel mit „Johannes Schott Pinxit 1766" signierte Kreuzweg ursprünglich gehörte. Es bestand die Meinung, daß die neuzeitlichen Kreuzweg-Reliefbilder an den Wänden der Peterskirche die kleinen Gemälde zu einem trostlosen Dasein auf den Pfarrhausspeicher verdrängt hatten. Stadtpfarrer Alfons Gang ließ Schotts Kreuzwegstationen 1972 restaurieren und zu neuer Funktion in die St.Martinskirche versetzen. Diese Bilder (85 x 65 cm, Leinwand, Harzölmalerei auf rotem Bolus) weisen auf einen wenig bekannten Breisgauer Barockmaler hin, der von 1761 bis 1766 in Freiburg gearbeitet hat.^' 1766, im Entstehungsjahr seines Endinger Kreuzwegs, gewährte der Freiburger Stadtrat „Johann Schotts, des von hier entwichenen Malers Eheweib, so lange eine bürgerliche Portion bei dem Armenkarren wöchenthch, so lang ihr Mann von hier abwesend sein wird."®^ Anschließend verwischen sich die Lebensspuren Johann Schotts. 

Guter Pflege durch die Stadt erfreute sich der „obere Kirchenturm bei St.Martin" 1766/67. Zimmer- und Maurermeister Joseph Schmuckh und Johannes Burckhard bekamen für diese Reparaturen 100 Gulden ausgehändigt.^^ Ob der Hochaltar in St.Martin von den künstlerischen Arbeiten für die Peterskirche mitprofitierte, kann vermutet werden. Das Oberbild des Kirchenpatrons, ein schwungvoll gemalter St.Martin bei der Mantelteilung, zeigt jedenfalls auffallende Ähnlichkeiten zum Hochaltarblatt der Pfarrkirche Freiburg- Hochdorf^" und muß von daher dem Freiburger Maler Johann Pfunner (1775-1780?) zugeschrieben werden. 

Weil 1666 nur dürftig wiederhergestellt, entsprach der Pfarrhof von St.Martin 1788 nicht mehr den Anforderungen. Als Zehntherrin der oberen Pfarrei mußte sich die Benediktinerabtei Ettenheimmünster zur Kasse bitten lassen. Allerdings nicht ohne Widerstände. „Anno 1788 hat das Kloster mit der Stadt (Endingen) einen Prozeß angefangen, in der Meinung, die Stadt müsse auch zum neuen Pfarrhofbau beitragen. Es hat denselben zu Freiburg und zu Wien verloren, mithin muß es denselben (Pfarrhof) allein bauen. Die Frohnen belangend, machten sie (die Endinger) es wie anno 1666 und wollten nur gratis keine andere tun, als die in ihrem Bann w ä r e n . I m 19. und 20. Jahrhundert als Kaplaneigebäude und Alterssitz pensionierter Geistlicher genützt, wurde das gefällig konstruierte St.Martinspfarrhaus (mit klassizistischem Portal und fünfachsiger Breitseite) unter Stadtpfarrer Dr. Isidor Frank zu Beginn der 1980er Jahre als Pfarrhaus der Stadt Endingen hergerichtet. 

1798 berichtete der bischöfliche Kommissar Dr. Johann Baptist Ignaz Häberlein, Stadtpfarrer von St.Martin in Freiburg, an die Kirchenbehörde in Konstanz, daß die Endinger St. Martinskriche „ganz baufällig" sei. Er könne nur staunen, „wie die Leute bei der offenbaren Gefahr des Einsturzes sich noch hineinzugehen getrauen. Sie sieht mit der einzigen Ausnahme des Hochaltars so abscheulich aus, daß man es ex officio (von Amts wegen) verbieten sollte, auf den zwei Seitenaltären Messe zu lesen. Diese Pfarrkirche muß also von Grund auf neu gebaut werden."^ ^ Es stand nicht gut um St.Martin. Zumal die Peterskirche ,,alle Pfarrgenossen der ganzen Stadt" fasse und überdies noch ,,die geräumige St.Jakobskirche" zur Verfügung stehe, drängte Dr. Häberlein — auch zur Entlastung aller Zahlungspflichtigen — auf die Aufhebung der St. Martinspfarrei und Beseitigung der Kirche. 

Die Stadt Endingen war immer bemüht, ihre St. Martinskirche zu erhalten, wobei ihr auf Bitten das Großherzogliche Haus behilflich war. Das Bezirksamt Endingen hatte nicht versäumt, am 6, Juli 1811 die Baudirektion des Dreisamkreises in Freiburg „2.uf die höchst notwendige Reparation aufmerksam zu machen, da der Besuch der Kirche immer gefährlicher wird." Bis das Kirchendach umgedeckt werde, bildeten sich bei Regen ,,ganze Wasserlachen in der Kirche.'' Schadhafte Gipsdecken müßten ausgebessert und das Innere neu geweißelt werden. Ein Blitzschlag zündete am 16. Mai 1827 die Turmspitze von St.Martin an; durch das beherzte Eingreifen dreier Männer konnten Turm und Kirche jedoch vor der Einäscherung bewahrt werden. Weit schHmmer war die nachfolgende Beurteilung der Kirche durch die )adische Bürokratie und der Versuch, sich die Bauverpflichtungen vom Hals zu schaffen. Über ein unglaubliches Verhalten des Bezirksamtes Kenzingen, sogar des Kenzinger Dekans berichten wir noch. 

Jedem war bewußt, daß über kurz oder lang Opfer für die bauliche Instandsetzung der St. Martinskirche unvermeidbar werden. Bezirksbaumeister Gottlieb Lumpp, Freiburg, bestätigte im Sommer 1828 dem Dreisamkreisdirektorium, wie ,,unverschieblich notwendig viele Reparaturen seien. Allein damit ist den Gebrechen dieses nach allen Teilen ganz verwahrlosten Gebäudes bei weitem nicht abgeholfen.'' Schlechtes, auf den Mauern abgefaultes Dachgebälk, morsche Bretterdecke des Langhauspiafonds, undurchsichtige Fenster mit verrotteten Bleifassungen, defekte Böden und Türen ergaben eine Liste von Baumängeln, die beängstigend wirkte. Den Vorschlägen Lumpps stimmte das Bezirksamt Kenzingen trotzdem nicht zu, weil sowohl das Schulgebäude Endingens im ^.schlechtesten Zustande" als auch ein ,,noch weit schlechterer Zustand der Städtischen Finanzen" jedes Vorhaben zur Rettung der Martinskirche verboten. 

Die Regierung des Oberrheinkreises sicherte sich 1836 ab; sie wies das Bezirksamt Kenzingen an, die Kirche zu sperren» wenn sich eine akute Gefahr für Kirchenbesucher zeige. Von der Freiburger Bezirksbauinspektion entsandte man anfangs Januar 1838 den Architekten Berger, der Turm und Chor ,,im Gemäuer noch ziemlich gut'' beurteilte, während Dachstuhl und Holzdecke des Langhauses ,,vom Wurm und Trockenmoder fast ganz zerstört'' seien. Er hinterließ uns als Bauaufnahme ,,Grundplan", Vorderansicht und ,,Quer=Durchschnitt", aus denen Gestalt und Raumverhältnisse der alten St.Martinskirche abgelesen werden können. Nach seinen Vorschlägen ein abstützungsfreies Langhaus neu zu konstruieren, fiel jedoch wegen der Finanzmisere sehr schwer, zumal es das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg ablehnte, ,,aus den Revenüen der dortigen Pfarrei nur einen Kreuzer zu dieser Reparatur entziehen zu lassen." Die Bürgerschaft, ,,zu deren Nutzen die Kirche repariert wird", möge entsprechend dazu beitragen. 

Nach einem Kostenvoranschlag des badischen Bezirksbaumeisters Johann Voß (9.8.1838) waren mindestens 3472 Gulden 5 Kreuzer für die unumgängliche Bausanierung aufzubringen. Versuche, beim großherzoglichen Innenministerium in Karlsruhe die Rettung der Martinskirche genehmigt zu bekommen, scheiterten ebenso am Finanzmangel der Stadt. 1843 ließ das Bezirksamt Kenzingen die obere Kirche Endingens wegen des ,,sehr verwahrlosten Zustandes" sperren. Baumeister Voß schildert, daß die Langhausmauern am Zusammenbrechen seien, alter Dachstuhl und abgefaultes Gestühl des Langhauses einsinken würden. Es rege sich aber eine Initiative der Einwohner, die aus Privatmitteln das Langhaus wiederherstellen lassen möchten. Die St.Martinskirche hatte sich zu einem Stadtpolitikum ersten Ranges entwickelt. 

Am 21. Januar 1844 faßte eine Gemeindeversammlung den einstimmigen Beschluß, „eher aus freiwilligen Beiträgen zu bauen, als die Kirche eingehen zu lassen." Vier Pläne und Kostenüberschläge standen zur Diskussion. Auf Wunsch der Oberrheinkreis-Regierung sollte ,,die Gemeinde Endingen für die künftige ganze Unterhaltung der St.Martinskirche die Baupflicht" tragen und „die gegenwärtigen Kosten von 6736 Gulden" als Barmittel nachweisen. Dann könne mit der Genehmigung von 600 Gulden Bauzuschuß aus der Kirchenfondskasse gerechnet werden. Im September waren ,,4302 Gulden 30 1/2 Kreuzer Barschaft" beisammen. Die beiden Endinger Maurermeister Marx und Jakob Roßwog boten als Unternehmer an, den Bauakkord um 6055 Gulden 49 Kreuzer zu übernehmen. Jetzt stellte sich auch die Unterstützung der Kirchenbehörde ein. Katholischer Oberkirchenrat in Karlsruhe und Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg empfahlen im Oktober und November 1844, mit dem Neubau des St.Martin-Langhauses sofort zu beginnen, sonst gebe es in Endingen große Aufregung. Es sei Unsinn, sich die Spenden erst bar vorlegen zu lassen, weil der Kirchneubau doch nicht in einem Jahr fertiggestellt werde und die Materialien schon am Platz lägen. Zuguterletzt gab am 5. Dezember 1844 auch die Oberrheinkreis-Regierung ihre Zustimmung zu dem Bauvorhaben. 

Bürgermeister Michael Kniebühler, die treibende Kraft des Unternehmens, berichtet selbst über Bauleute und Kosten weiter''®: „Nachbenannte Handwerksleute haben den Bau übernommen: 1. Marx Roßwog, Anton Schaerer und Johann Zink von hier die Maurerarbeit für 2715 f, 2. Steinhauer Georg Süß und Josef Feeser von Broggingen die Steinhauerarbeit für 887 f, 3. Joseph Soäth von Wyhl und Martin Zimmermann, unter Beizug der hiesigen Zimmerleute Josef Karle, Johann L. Baumann und Baptist Ziegler, die Zimmerarbeit für 1605 f, 4. Sebastian Löffler von hier die Schreinerarbeit für 290 f, 5. Anton Kurrus von hier die Schlosserarbeit für 100 f, 6. Sales Kurrus von hier die Glaserarbeit für 169 f, 7. Peter Peretti dahier die Anstreicherarbeit für 17 f. Die Kosten, die nöthigsten Frohnden nicht mitberechnet, belaufen sich also auf 5783 fl, an welchen jedoch noch die Materialien vom Rieglertorturm und alten Langhause mit circa 666 Gulden 30 Kreuzer abgehen, also Rest 5116 Gulden 30 Kreuzer. Das Fundament der Kirche wurde unter Aufsicht des Maurers Kiehnle von Kenzingen und die weiteren Arbeiten werden unter Aufsicht des Herrn Landbaumeisters Baumüller von Emmendingen aufgeführt werden." 

Als die Stadt am 2. Januar 1845 vorstehende Bauarbeiten versteigerte, „strömten beinahe sämtliche Bürger in das Rathaus, während ein großer Teil der übrigen Einwohnerschaft neugierig über das Resultat vor dem Rathause in freundschaftlicher Begrüßung sich bewegte. Dieser Steigerungstag war für die Gemeinde ein wahrer Freudentag. Kaum waren die Arbeiten der Maurer und Zimmerleute versteigert, ertönten von dem Turme der St.Martinskirche die Glocken. Über 200 Weiber hatten mit allen Glocken ein Freudengeläute angestimmt, gegen welche selbst die eingeschrittene Policey nichts vermochte. Die Läutenden hatten sich im Turme eingeschlossen, und die umstehenden Weiber und Mädchen wehrten der Policey den Zutritt. Sichtbare Rührung bewirkte dieses Geläute, und Freudentränen wurden bei der weiblichen Well vergossen." 

Aus der von Bürgermeister Kniebühler geschriebenen Geschichte der St.Martinskirche''' ist weiter zu entnehmen: „Die Pläne und Kostenüberschläge hatten gefertigt:

1. der städtische Bautaxant Andreas Roßwog,

2. der städtische Werk = spätere Baumeister Jacob Roßwog,

3. Baumeister Chirois''aus Colmar, an der Gicht leidend u. an beiden Füßen lahm, junger Mann, der auf einem Pferde reitend, mehrmals die Baustelle besuchte, unentgeltlich den mit wenigen Abänderungen ausgeführten Plan im gotischen Style mit Beibehaltung der gotischen alten Fenstergewänder." Zur Unterstützung des Aufsicht führenden Werkmeisters Kühnle von Kenzingen und des großherzoglichen Baumeisters Baumüller von Emmendingen schalteten sich stets auch der städtische Baumeister Gemeinderat Fleig und Bürgermeister Kniebühler fördernd in das Baugeschehen ein. 

„Am 1. Juni 1845 wurde der Grundstein zur neuen Kirche gelegt. In dem Gemäuer der alten Kirche fand sich ein Grundstein nicht, er ist im Chor angebracht." Nach „feieriichem figuriertem Amt" in der Peterskirche zog die Festgemeinde in Prozession zur St.Martinskirche. Mit klingendem Spiel der Stadtmusik und dem von einem „kräftigen Männerchor" vorgetragenen Sonntagslied von Conradin Kreutzer eröffnete Dekan Strittmatter die Feierlichkeit. Bürgermeister Kniebühler trug von einer „Erhöhung" die „gedrängte, zum ersten Male näher bekannt gewordene Geschichte der Stadt Endingen und der zu erbauenden Kirche" vor. Anschließend legte man „in den auf dem Sockel des ostsüdlichen Eckens der Kirche angebrachten ausgehöhlten Grundstein in eine hermetisch verschlossene gläserne Flasche unter jeweiliger Vorzeigung und Erklärung die von Bürgermeister Kniebühler zu dieser Handlung besonders gefertigte Geschichte der Stadt Endingen" und andere Gaben ein. Nach der vollzogenen Grundsteinlegung „staunte eine um den Kirchenplatz versammelte Menschenmasse" ein Naturereignis am Himmel an. „Was vielleicht der Nachwelt unglaublich ist, ereignete sich in Wirklichkeit." Es hatte sich nämlich gerade über dem St.Martinskirchturm um die Sonne in einem Abstand von etwa 20 bis 25 Schuh ein Kreis einer Krone ähnlich/: das aus der Meteorologie bekannte Phaenomen: Hof um die Sonne:/ gebildet, der sich erst gegen 2 Uhr nach und nach wieder verlor. 

August 1845 eröffnet wurde, von Offenburg bis Freiburg in voller Arbeit war." Materialpreise, besonders Sandsteine, und Taglöhne der Arbeiter waren gestiegen. „Und es hielt schwer, Steinmetzen zum Kirchenbau zu gewinnen. Kalk lieferte zwar die Hütte von Riegel, der Sand mußte aber über den Rhein geschifft wie die Sandsteine und das Holz nach Kubikschuh hierher geführt werden. Das Holz wurde in der Gegend von Waldshut gekauft und auf dem Rhein an das Ufer bei Wyhl geflözt, wo es auch verarbeitet wurde." 

Die Arbeiten an der Kirche nahmen „einen solchen Fortgang, daß am 12. bis 18. September 1845 der Bau aufgeschlagen werden konnte. Das Gehölz wurde mittelst eines Flaschenzugs, dem ein Paar Ochsen vorgespannt waren, hinauf gewunden." Sorgen bereitete die Finanzierung der restlichen Ausbauarbeiten, für die Bürgermeister Kniebühler nicht nur eine zweite Sammlung veranstaltete, sondern sich auch bei kirchlichen und staatlichen Instanzen um weitere Zuschüsse bemühte. Er scheute nicht vor der Androhung zurück, „Ansprüche wegen der Baupflicht auf dem Rechtswege zu verfolgen." Dadurch erreichte er, daß sich Großherzog Leopold von Baden persönlich einschaltete und am 27. April 1847 3000 Gulden samt Zinsrückständen für den Martinskirchenbau freigab. Doch lassen wir Kniebühler wieder selbst berichten: „Nach aller Kraftanstrengung der Handwerksleute wurden die Kirche und das Chor im Innern bis auf die Nebenaltäre und die Orgel im Spätjahr 1846 beendigt und zu gottesdienstlichen Verrichtungen hergestellt. Ein alter Stein von der alten Kirche mit dem Lamm Gottes und verschiedenen Arabesken in Basrelief wurde in die Spitze des Portals verwendet mit der Aufschrift: „GOTT MIT UNS!" Auf die Friesplatte oberhalb der Seitentüren wurden folgende passende Inschriften angebracht: 1. Nördlich: „Die Eintracht der Bürger erbaute diesen Tempel aus freiwilligen Beiträgen im Jahr des Herrn 1845 und 1846." 2. Südlich: „Herr unser Gott! AU' dieser Vorrat, den wir bereitet haben, um ein Haus Deinem heihgen Namen zu bauen, ist von deiner Hand." Am Martinsfest 1846 zog die Pfarrgemeinde wiederum in feierlicher Prozession von der Peterskirche zur Martinskirche und hielt in dem Neubau den ersten Gottesdienst. 

Über die Innenausstattung der nach erheblichen Bauschwierigkeiten glücklich vollendeten Martinskirche hielt Kniebühler fest: ,,Man suchte, nachdem der Bau soweit war, das Innere der Kirche nach Kräften zu verzieren." Orgelbauer Bernhard MerkUn von Mannheim erhielt den Auftrag zum Bau einer neuen Orgel. „Merkwürdig bleibt, daß sie gerade während der Badischen Revolution im Mai und Juni 1849 aufgeschlagen wurde, während die Hauptgegner der Kirche die gesetzlichen Vorgesetzten ihres Amtes entfernt und sich selbst als Vorgesetzte eingesetzt hatten." Orgelbauinspektor Dompräbendar Lumpp bemerkte in einem Gutachten vom 30.9.1847 dazu, daß der „Orgelkasten nach der von Schaxel vorgelegten Zeichnung gefertigt, mit dem Baustyle der Kirche sehr gut harmonieren wird." Interessante Notizen Kniebühlers über Seitenaltäre, Chorfenster und Langhausausmalung sind wichtige Belege für die ursprüngliche Gestaltung des heute etwas nüchterner wirkenden Innenraums: ,,Von der abgebrochenen Spitalkirche waren noch zwei niemals gefaßte und verdorbene Nebenaltäre auf der Kornlaube aufgespeichert, die man ergänzen und fassen ließ. Schreiner Sebastian Löffler vervollständigte nicht nur die Altäre, sondern baute auch um die Summe von 63 Gulden den Beichtstuhl im gotischen Style." 220 Gulden, die Kniebühler nach seinem Amtsantritt als Bürgermeister (1840) für die Ordnung des „im chaotischen Zustande" vorgefundenen Gemeindearchivs erhielt, stiftete er „zu zwei gemalten Fenstern mit den vier heiligen Evangelisten in die beiden Fensternischen neben dem Hochaltar. Die Arbeit übernahm Glaskünstler Herrmann von Freiburg, mit der man um diese kleine Summe so zufrieden sein konnte. Die Verzierung der Wände und des Plafond besorgte Maler Simon Friedrich von Rothweil (Oberrotweil im Kaiserstuhl) für 125 Gulden 30 Kreuzer; ebenso die Wappenschilde in die linierten Lisenen. Auf den 6 obern Wappen sind die Symbole der kirchlichen Geschichte, auf den 6 untern jene der weltlichen Geschichte als 

  1. Christi Geburt und der Adler der Römer, welchen unser Land damals gehörte.
  2. das Creuz über dem Rhein: das Erscheinen des Christentums von Frankreich her und das fränkische Feldzeichen unter Carl dem Großen mit dem fränkischen Reichsadler/: 6te Jahrhundert:/.
  3. das Kreuz mit z' .ei Händen: das Ergreifen des Christentums unter den sächsschen Königen mit den Wappen der Letztern:/: 7te Jahrhundert:/.
  4. der Bau der Kirchen und Kapellen in die Gegend mit dem Schloß und den Wappen der damaligen Herrschaft von Osenberg./: U t e bis 15te Jahrhundert:/.
  5. das Kreuz mit Herz und Anker, die Glaubensfestigkeit unter der Herrschaft von Oesterreich mit dessen herzoglichen Wappen./: 15te Jahrhundert:/.
  6. der neue Kirchenbau unter der Herrschaft des Großherzogtums Baden/: 19. Jahrhundert 

Um den Seitenaltären zu passenden Gemälden zu verhelfen, wandte sich Kniebühler 1849 an die „berühmte Künstlerin Marie Ellenrieder in Konstanz", die ihm auch versprach, „ein Altarblatt unter ihrer Leitung durch eine Schülerin um billigen Preis fertigen zu lassen." Wegen der Revolutionsereignisse mußten die Verhandlungen aber abgebrochen werden. Im übrigen soll hinter dem Marienaltar versteckt ein Stein in die Wand eingelassen sein, dessen Inschrift noch Aufschlüsse zur Baugeschichte der Kirche enthalten könnte."''* Der Tod des Obmanns Martin Burkhard erzwang 1849 die Schlußabrechnung des St.Martinskirchenbaufonds, der aus freiwilligen Beiträgen, Strafen wegen Ehrenkränkungen, Stiftungen der Theresia Otter von Rotweil/Kaiserstuhl und der Äbtissin Amalia Meier von Lichtenthal Erlös aus abgängigen Baumaterialien, Zuschüssen aus dem St.Martinskirchenfonds und dem St.Martinspfarrfonds, namens des Religionsfonds, eine Summe von 10 601 Gulden 21 Kreuzer zusammengebracht hatte. Diesen Einnahmen standen Ausgaben für Kirchenbau, Verwaltung und Fuhrlohn von 9660 Gulden 29 Kreuzer gegenüber.'' 

Bauschäden und Abnützung führten 1872/73 zu Instandsetzungsarbeiten und einer Innenrenovation der Kirche''^ durch den Endinger Dekorationsmaler Karl Stertz. Er verlieh den Wänden einen „gelbbraunen, unterteilten Anstrich" und schmückte die Decke mit lateinischen, auf die Gottesmutter bezogenen Inschriften. Mit neuen Seitenaltargemälden krönte 1874 der badische Hofmaler Wilhelm Dürr d.A.'''' die Kirchenerneuerung. Für den Marienaltar malte er eine Pieta oder Marienklage und Beweinung Christi genanntes Bild der Gottesmutter, die den vom Kreuz abgenommenen Leichnam Jesu auf ihrem Schoß hält. Auf dem Blatt des rechten Seitenaltars nahm er sich die Erscheinung des Göttlichen Herzens Jesu vor der hl. Margareta Alacoque zum Thema. Bilder wie Maria- und Jesusmonogramme im Altarauszug wurden von ihm mit „W. Dürr 1874" gekennzeichnet, während die Inschriftkartuschen über den Gemälden den Restaurierungsarbeiten des Jahres 1935 entstammen.

Erst 1901 lesen wir wieder von neuen Bauunternehmungen. Die Freiburger Glasmaler Heimle & Merzweiler bekamen neue Langhausfenster in Auftrag. Auch die Chorfenster erhielten neue Glasgemälde der hl. Antonius, Martin, Jakobus und Franziskus, die zwei Kinder des ehemaligen Bürgermeisters Kniebühler, Franz Kniebühler und Frau Bolia, als Ersatz für die Evangelistenfenster ihres Vaters stifteten. Einem Übelstand wollte der 1907 verstorbene Militärpfarrer Franz Anton Keck abhelfen, als er für den Bau einer neuen Sakristei 5000 Mark hinterließ. Planänderungen verzögerten den Anbau aber bis 1911, als der Erzbischöfliche Oberbaurat Raymund Jeblinger seinen Entwurf einbrachte und in der heutigen Form vom Ordinariat genehmigt bekam. 

Der Hochaltar mit dem Gnadenbild wurde mit freiwilligen Spenden verbessert und verändert. Ferner sind zu vermerken: Installation einer Gasbeleuchtung. Herstellung von Tonplattenboden, Kirchengestühl (1914), Kommunionbank und Beichtstuhl (1916, nach Plan von Jeblinger) geben Hinweise auf eine gründliche Herrichtung der St.Martinskirche vor dem 1. Weltkrieg.'' 

Mitten im Leben des Marktplatzes hält die riesenhafte St.Georgsfigur des Reliefbildes an der Nordseite des St.Martin-Kirchturms Totenwache für die Gefallenen Endingens der beiden Weltkriege. Denkmalkommission und Stiftungsrat nahmen am 11. April 1925 den Entwurf des „Bildhauers Franz Sieferle in Lahr" an, weil er ,,sehr ideal gedacht und religiös zugleich, ästhetisch der beste und finanziell der billigste" war. Als zwei Monate später auch Baudirektor Graf vom Erzbischöflichen Bauamt Freiburg Gefallen an dem Projekt fand und das Erzbischöfliche Ordinariat zustimmte, gab die Stadt das Kriegsopfer-Ehrenmal an der Martinskirche in Auftrag. Die Fertigstellung wurde zum Anlaß genommen, um 1928 Dach, Turm, Giebelfassade reparieren und die Außenwände neu verputzen zu lassen. Der Anschaf fung einer Herz Jesu-Statue verweigerte die Kirchenbehörde dagegen die Zustimmung und erteilte den Auftrag, eine Innenrenovation zu planen, weil,, das Innere der Kirche in einem ganz unwürdigen Zustand" sei. 1931 waren zwar die schlimmsten Schäden beseitigt, es dauerte aber noch Jahre, bis 1935/36 wiederum eine durchgreifende Erneuerung des Innenraums angepackt werden konnte. Stadtpfarrer Eiermann, der sich sehr um die Wallfahrt zur Endinger Gnadenmutter annahm, ließ die schablonenhaften Dekorationsmalereien entfernen und den Raum durch Kirchenmaler Alexander Stertz in helle, freundlichere Farbtöne fassen. Gleichzeitig zog man den Offenburger Bildhauer Peter Valentin'' ^ heran und vertraute ihm „Ergänzung" und neue Farbfassung der Seitenaltäre an, die sich seither an den Hochaltar zu einem harmonischen Ensemble anreihen. 

Durch Granateinschläge im 2. Weltkrieg entstandene Schäden zogen 1949 Reparatur und Restaurierung der Kirche nach sich. Neben größtenteils beschädigten Fenstern galt es auch, die Decke im Chorraum zu ersetzen. Stadtpfarrer Alfons Gäng bemühte sich in den 1970er Jahren um einen guten Bauzustand der Martinskirche. Erneuerung des gotischen Maßwerks an Turm und Chor, Dachdeckung und Außenrenovierung gingen einer Innenerneuerung voraus. Er ließ außerdem die 14 Kreuzwegstationstafeln von 1766 (siehe Peterskirche) in die Innengestaltung einbeziehen und legte auf die behutsame „Erhaltung des bewährten Überlieferten" großen Wert. Am 10. Mai 1981 vervollständigte Stadtpfarrer Dr. Isidor Frank mit der Weihe von zwei neuen Glocken aus der Heidelberger Gießerei F. W. Schilling die Stimmen vom Turm zu einem stattlichen Geläute.