Baumeister und Künstler der Peterskirche
von Hermann Brommer

 

Pfarrer Dr. Joseph Krembs (Krembsch)^ ® ist als Mitzehntherr und Seelsorger der St.Peterspfarrei eine maßgebende Persönlichkeit des Kirchenbaus gewesen. Es wurden ihm nicht nur die Baupläne zur Begutachtung vorgelegt, wir müssen in ihm auch die treibende Kraft sehen, die auf ein neues Gotteshaus nach dem Vorbild der Nachbarskirche Riegel drängte. Schon an der vorausgehenden Pfarrstelle in Lehen bei Freiburg, wo er von 1744 bis 1758 pastorierte, hat er die barocke Ausstattung seiner Pfarrkirche gefördert. In einer Kartusche des Lehener Kanzelkorbs erinnert sein Monogramm I K an ihn. Pfarrer Krembs muß auch als theologischer Berater für das Bildprogramm der Endinger Peterskirche angesehen werden. 

Franz Rudhart, Schreinermeister, ließ sich 1741 in Kenzingen einbürgern. Neben nicht realisierten Entwürfen für Kirchen in Wyhl und Hofweier baute er 1743 in Riegel a.K., 1752 in Herbolzheim und 1754 in Niederschopfheim neue Pfarrkirchen, die ihn als bedeutendsten Breisgauer Barockbaumeister während der 40er und 50er Jahre des 18. Jahrhunderts ausweisen. Daß sein elegant-feingliedrig schwingender Kirchentyp von Riegel a.K. die Zeitgenossen beeindruckte, ja daß er geradezu zu einem Vorbild geworden war, zeigen die Verhandlungen um Baupläne und Architekten in Endingen. Bei einem Vergleich der beiden Kirchen ist nicht zu übersehen, daß J.B. Häring tatsächlich Gewölbespannung, Stichkappeneinschnitte, Deckenbildflächen, Pilastergliederung der Langhauswände, weitangelegten Chorbau mit über Sakristeien eingespannten, vorbauchenden Loggien, überhaupt die weiträumige Wirkung des Kircheninnern dem Vorbild Riegels angenähert hat.

 

Johann Baptist Häring, aus einer Vorarlberger Baumeisterfamilie hervorgegangen und seit 1739 in Freiburg eingezünftet, stieg dort 1755 zum Maurerstadtwerkmeister und 1766 zum Stadtbaumeister, Zunftmeister und Stadtrat auf. Als ,,Deputationsrat" errang er sich Ansehen und war Besitzer mehrerer Häuser in der Freiburger Herrenstraße und in Oberlinden. Neben zahlreichen Aufträgen seiner Stadt, der Universität und von Privatleuten arbeitete er an einer Reihe von kirchlichen Bauten: 1747 Kirchturm des Klosters St.Märgen, 1759/ 1777 Pfarrkirche Wyhl a.K., 1759 Pfarrhaus Endingen, 1763 Pfarrkirche Wasenweiler, 1763 Altarhaus und Pfarrhof Jechtingen a.K., 1767 Kirchturm Hochdorf, 1767/68 Pfarrkirche Freiburg-Betzenhausen, 1772/77 Pfarrkirche und Pfarrhaus Hugstetten. Die Endinger Peterskirche 1773/75 wurde sein bedeutendster Bau. Er kannte die Freiburger Behörden und deren auf Sparsamkeit zielende Einstellung, so daß es ihm nicht schwerfiel, ein entsprechend eingestelltes Bauprojekt vorzulegen. Zwar erzwangen Endingen und die Zehntherren wiederholt Planänderungen, die mehr den Wünschen der Bauherrschaft entsprachen. Schließlich behielt er doch mit seinem preisgünstigen Angebot die Oberhand und holte sich, von der vorderösterreichischen Regierung unterstützt, den Auftrag. An der Belohnung des Bauführers Peter Zengerle läßt sich ablesen, daß die Endinger zuguterletzt mit dem Werk Härings zufrieden waren.

Wie bei den Vorarlberger Barockbaumeistern üblich, gUederte Häring sein Endinger Langhaus mit den kurzen Querhausarmen und dem polygonalen Chor äußerlich sehr schlicht durch Lisenen und schmucklose Seitenportale. Etwas Aufputz leistete er sich nur an den geschlossenen Volutengiebeln über den (eine breite Vierung vortäuschenden) Querhäusern in der Form von Muschel-ausgelegten Statuennischen (mit Salvatorbild und gotischer Marienfigur (?) und sechs steinernen Vasen (B. Löffler). Nach dem Bauvertrag von 1773 sollten außen ,,zwischen den Lisenen ein grauer Wasserwurf gemacht" und ,,Lisenen samt Sockel, Hauptgesims, Türengestelle und die Steine bei den Fenstern mit roter Englischer Erde an gestrichen" werden. Die Baukosten vermochte Häring dadurch entscheidend zu senken, daß er den mittelalterhchen Westturm in den Neubau miteinbezog. In dessen von mächtigen Strebepfeilern abgestütztem Untergeschoß werden romanische Reste vermutet, Das Kreuzdacherhielt im Schnittpunkt der Firste mit dem zwiebeltürmigen Dachreiter einen barocken Akzent. Nach der vom Freiburger Kupferstecher Peter Mayer am Ende des 18. Jahrhunderts auf einem Zunftbrief (Arbeitsattest) festgehaltenen Endinger Stadtansicht präsentierte die St.Peterskirche als Turmspitze einen Sonnenstern und Halbmond. Diese Wetterfahnenform galt seit dem Mittelalter als Königssymbol Christi und Blitzschutzzeichen. Musterbeispiel dafür ist die Zier des Freiburger Münsterturms. Das Städtische Museum Endingens bewahrt noch eine Sonne-Mond-Turmbekrönung auf. in der Kielbogennische über dem Hauptportal zieht die Figur des Kirchenpatrons (in der urtümlichen Ausarbeitung eines gotischen Steinbildhauers) die Blicke auf sich. Der heilige Petrus, mit Tiara und Ornat des Papstes gekleidet,  thront in einem Stuhl, daran erinnernd, daß neben dem "Stuhl Petri" das Wort Stuhl im Mittelalter auch ganz allgemein einen rechtsbedeutsamen Sitz umschrieb ("Kaiserstuhl"). In der würdevollen, etwas steifen Feierlichkeit des spätbarocken Klassizismus lädt uns die Türe des Hauptportals ein, durch die Turmvorhalle (mit Kreuzrippengewölbe, ehemaligem Hochaltarbild des "guten Hirten" von Wilhelm Dürr jr. und dem 1943 von einer Kunstmalerin Schaller geschaffenen Kriegsopferehrenmal) in die Kirche einzutreten. Schreinermeister Michael Meder" schmückte die Türflügel mit österreichischem Bindeschild, Stadtwappen und den Sinnbildern des Papst-, Bischofs- und Priesteramtes. Meder war ein Freiburger Kunstschreiner, dem auch sonst wichtige Arbeiten für Kirchen anvertraut wurden. Hochaltarbauten in Zarten, in der Freiburger Dominikanerkirche, in Grißheim bei Müllheim und Umkirch gingen dem Endinger Auftrag voraus. 

Lichtdurchflutet und weiträumig umfängt der Saalbau des Langhauses die betende Gemeinde. Unverkennbar von den Architekturmerkmalen der Vorarlberger Barockbaumeister beeinflußt sind die massiven Wandpfeiler, die den Chorraum einengen und in Eckfunktion und Rücklage für die großen, frontal stehenden Seitenaltäre mehr trennend als verbindend zum Langhaus hin wirken. "Erde" (Gottesvolk) und "Himmel" (Sakralbezirk) werden als Raumbereiche des Kircheninneren abgegrenzt und gleichzeitig miteinander berührt. Wie ein Vorhof und Sammelbecken wirken die kurzen Querhausarme vor dem Choreingang, deren vier Nebenaltäre durch Höhenstaffelung aber die Raumtrennung überwinden und optisch zum Hochaltar hinführen, eine Tendenz, die durch die gebauchten Brüstungen der Choremporen aufgenommen und verstärkt wird. Ältere und fortschrittlichere Eigenheiten der Barockarchitektur des Breisgaus sind im ,,Mittelriß" J.B. Härings miteinander verknüpft worden. Das Vorbild der Riegeler Nachbarkirche schimmert dabei jedoch — wie bereits geschildert — in der Gesamtgestaltung vor allem des Innenraums nicht übersehbar immer wieder durch. Gerade die Anwendung der älteren Raumaufteilung der Vorarlberger Bauschule hat wohl 1772 den fürstenbergischen Baudirektor Salzmann zu seiner Kritik veranlaßt. Es wäre jedoch ungerecht zu übersehen, daß die vorderösterreichische Regierung auf eine sparsame Bauweise drängte und zuletzt dem billigstmöglichen Angebot, das heißt Härings angepaßtem Projekt, die Zustimmung gab. Trotz der allgemeinen Schwierigkeiten weihte Endingen 1775 einen stattlichen Peterskirchenneubau ein, der seine über das Lokale hinausreichende Bedeutung aus der Tatsache bezieht, daß er das letzte große Gesamtkunstwerk des Barock im Breisgau ist, von heimischen Bauleuten und Künstlern geschaffen wurde und von der stilistischen Ausgestaltung her auf der Grenze zum spätbarocken Klassizismus steht. 

Johann Joseph Meisburger und sein Meister Franz Anton Vogel können aus der ,,Handschrift" und dem Formenrepertoire der Decken- und Brüstungsstukkaturen sicher als die im Auftrag des Generalunternehmers J.B. Häring arbeitenden Stukkateure der Endinger St. Peterskirche identifiziert werden. Kartuschenmanier in Zwickeln und Stiebkappen der Deckengewölbe, umkränzte Profilrahmen der Deckengemälde, zarte Blütendekorationen, Musikinstrumente, Palmwedel, Cäcilia- und König David-Medaillons an der Orgelempore, die Apokalypsemotive am Chorbogen und die Sinnbilder des alt- und neutestamentlichen Hohepriestertums im Hochaltarbereich sind so typisch und stimmen oft bis in Einzelheiten hinein mit Meisburgers Stukkaturen in den Stadtpfarrkirchen Ettenheim^ und Haslach im Kinzigtal  überein, daß nicht der geringste Zweifel an der (Mit-)Autorschaft des aus Vorarlberg nach Freiburg zugewanderten J.J. Meisburger bei den Arbeiten in Endingen erlaubt ist. Er hatte 1775 schon von der spritzigen Lebhaftigkeit des Rokoko Abschied genommen; seine Formen spiegeln würdevolle Feierlichkeit und zarte Anmut wider. In der originalen, grünen und grauen Farbtönung müssen die Stukkaturen den Kirchenraum sehr festlich geprägt haben. Es wäre deshalb das dringende Anliegen einer guten Kirchenrestaurierung, gerade diesen ursprünglichen Farbeindruck der Stukkaturen zurückzuholen und damit der St. Peterskirche wieder ihre großartige Festlichkeit, die durch die weißen Überstreichungen verloren ging, zu verleihen. 

Als Meisburger am 24. Juni 1777 in die Freiburger Bauzunft zum Mond aufgenommen wurde, folgte er dem sechs Tage zuvor kinderlos gestorbenen Rokokostukkator Franz Anton Vogel (1720-1777)'*° im Kunsthandwerk nach. Daß Johann Joseph Meisburger schon längere Zeit in Freiburg gearbeitet hatte (und das war nur bei dem Meister F.A. Voge möglich), kann nicht nur an dem lückenlosen Übergang der Stuckmeisterschaft, sondern auch an der Verheiratung mit der Freiburgerin Elisabeth Horber (26.4.1777) abgelesen werden. Meisburger muß in den letzten Lebensjahren seines (vielleicht kranken) Geschäftsvorgängers ein wichtiger Mitarbeiter F.A. Vogels gewesen sein, wie die stilistischen Übereinstimmungen der Stuckarbeiten Ettenheims und Haslachs mit Endingen nahelegen. Außerdem wird am Stuckmarmor-Hochaltar Endingens (1777) die künstlerische Zusammenarbeit Meisburgers mit dem Freiburger Bildhauer Joseph Hörr,"^ dem Hauptmeister des spätbarocken Klassizismus im Breisgau, sichtbar. Es wird damit eine fortdauernde Werkgemeinschaft signalisiert, die schon zwischen dem Bildhauer und Franz Anton Vogel bestanden hatte und unter Meisburger zu weiteren, tüchtigen Gemeinschaftsleistungen (Stukkaturen in Haslach i.K., Hochaltar in Ebringen) führte. Beim Vergleich der Meisburger-Altärc von Endingen und Ebringen fallen Gemeinsamkeiten der Architektur und des Figurenwerks auf: ,,Ganz deutlich lassen in Endingen die beiden großen Engelskinder, die den Vorhang des Baldachinaufsatzes hochstemmen, die Handschrift Joseph Hörrs erkennen. Es sind zwei stämmige Buben, die sich mit ihren Pausbacken, ihren hohen Stirnen und dem darüber ansetzenden Lockenhaar als Hörr-Kinder ausweisen. Vermutlich gehören auch die zahlreichen Engelsköpfchen unter dem Baldachin mitsamt dem Vorhang, der in den typischen ,,Hörr-Zipfeln ' auf beiden Seiten bis auf die Kapitelle der Säulen herunterhängt, zu Hörrs Beitrag zu diesem Altar, dessen hervorragender Stuckmarmor durchaus der Arbeitsweise Meisburgers entspricht."(R. Morath). Nicht ohne Grund bezeichnete Professor Joseph Sauer den J. J. Meisburger als ,,einen der tüchtigsten Meister der Stukkaturkunst."" ^ Ihm fiel in Endingen die Aufgabe zu, als Interpret des Barockarchitekten zu wirken, durch die Stukkaturen nicht nur die Raumstruktur hervorzuheben, zu schmücken und damit die festliche Grundstimmung zu schaffen, sondern auch durch die Gemäldefelder der Decken das Bilcprogramm in den Raumzusammenhang der Kirche einzubinden. 

Johann Pfunner, als meistbeschäftigter Freiburger Barockmaler landbekannt, übernahm 1775 die Ausmalung der neuen Peterskirche. Ein umfangreiches Bildprogramm für die weitgespannten Decken brachte ihm den letzten Großauftrag seines Lebens ein. In der Gemäldefolge paaren sich sein für die Rokokomalerei typisches unruhiges Temperament mit einem weichen, sensitiven Einschlag. Die Hauptstücke im Chor und Langhaus beziehen sich auf den Kirchenpatron St.Petrus: Die Heilung des Lahmgeborenen an der Tempelpforte, die Vision von Joppe (daß außer Juden auch Heiden in das Gottesvolk aufgenommen werden können), die Wahl des Apostels Matthias und der reiche Fischfang. Lünetten mit einer zweiten Themenfolge umkränzen - teils buntfarbig, teils in Graumalerei - die Decken auf den abschwingenden Flächen der Wölbung und in den Stichkappen. So sehen wir im Chor als sehr auf die Anliegen der Seelsorge ausgerichtete Motive Moses, Elias, das alt- und neutestamentliche Opfer, die drei göttlichen und die vier sittlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe; Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Starkmut). Im Langhaus zeigen sich die vier abendländischen Kirchenlehrer (Papst Gregor, Augustinus, Ambrosius, Hieronymus) und vier große Heilige (Bernhard von Clairvaux, Thomas von Aquin, Anselm von Canterbury, Karl Borromäus). In den ,,acht Seligkeiten" wird außerdem das Grundgesetz des christlichen Glaubens dargestellt: Selig sind die Armen im Geiste, die Trauernden, die reinen Herzens sind, die Friedensstifter, die Sanftmütigen, die Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit haben, die Barmherzigen und die Verfolgten. 

Neben dieser „Fresco Malerei", die ihm ,,akkordierter Maßen" 700 Gulden eintrug, schuf Pfunner auch die neuen Altarblätter. In den schon vom Klassizismus beherrschten Stuckmarmor- Hochaltaraufbau, der sich wuchtig in den Chorschluß einschmiegt, malte der Freiburger Meister 1777 das signierte Hauptbild mit Schlüsselübergabe und Kreuzigung des Apostefürsten Petrus. Die beiden 1780 fertiggestellten Barockalläre des Endinger Bildhauers Joseph Ammann an den Flanken des Choreingangs enthalten vier, eindeutig ebenfalls von J. Pfunner stammende Gemälde. Im Sebastiansaltar (Erinnerung an die Endinger Sebastiansbruderschaft) wird der Nothelfer beim Martyrium dargestellt. Barmherzige Frauen bemühen sich, die Pfeile aus dem Leib des Gemarterten zu ziehen. Das Oberbild erinnert an ein leidvolles Kapitel der Stadtgeschichte, an jene „unschuldigen Kinder", die — zusammen mit ihren Eltern — 1462 anläßlich einer Wallfahrt angeblich von Endinger Juden ermordet worden sein sollen. Nachforschungen von Karl Kurrus ergaben, daß den 1470 des Ritualmordes angeklagten und hingerichteten Juden Unrecht getan wurde, ein Fall, der jahrhundertelang zu Vorurteilen und ungutem Handeln verleitet hatte.'^ Stadtpfarrer Alfons Gäng hielt es deswegen für ein Gebot christlicher Verantwortung und Nächstenliebe, 1967 die mumifizierten Kinderleichen aus dem Glasschrein des Sebastiansaltars entfernen" ® und durch einen aus der ehemaligen Pfarrkirche March-Hugstetten übernommenen ,,Leichnam Christi" ersetzen zu lassen. Auf dem 1780 bestellten zweiten Seitenaltar prangt ein Bild der über alle gottfeindlichen Gewalten siegreichen, in den Himmel aufgenommenen Muttergottes. Über ihr schwebt im Oberbild die heiligste Dreifaltigkeit. 

Von Johann Pfunner ist bekannt, daß er sich etwa zwanzigjährig am 20. Dezember 1736 in Straßburg vor der Zunft zur Steltz als Geselle ,,bei Herrn Meyer dem Maler" anmeldete und dabei angab, ,,von Schwatz Thyrol gebürtig" zu sein. Sehr viel spricht dafür, daß er nach dem Tod des am 3. Dezember 1736 in Freiburg verstorbenen Schwazer Kunstmalers Franz Bernhard Altenburger von dort nach Straßburg weitergewandert war. Weil in Schwaz 1809 die Standesunterlagen verloren gingen, kann dort nichts mehr über Herkunft und Ausbildung unseres bedeutenden Barockmalers festgestellt werden. Der ehemalige Innsbrucker Museumsdirektor Dr. Erich Egg vermutete jedoch in dem Schwazer Maler Johann Höttinger d.J. den Lehrmeister Pfunners. Während der Vierzigerjahre des 18. Jahrhunderts als unsteter Wanderkünstler unterwegs, hat Pfunner in verschiedenen Kirchen des Südschwarzwaides seine Spuren hinterlassen. Am 7. Februar 1749 beantragte er beim Rat der Stadt Freiburg, als „Zünftiger und Kunstmaler" aufgenommen zu werden. Daß er sich gerade am Sitz des vorderösterreichischen Prälatenstandes fest niederließ, wird wohl nicht nur durch den Kontakt zu wichtigen Auftraggebern, sondern auch in den verwandtschaftlichen und landsmannschaftlichen Beziehungen zu der am Beginn des 18. Jahrhunderts aus Schwaz nach Freiburg eingewanderten Tiroler Künstlerkolonie begründet gewesen sein."' Von Freiburg aus entfaltete Pfunner eine emsige und überaus fruchtbare Tätigkeit. Erst spät (1765) nahm er sich eine Freiburgerin zur Frau und kaufte 1766 in der „Großen Gassen" (Kaiser Joseph-Straße) ein Haus. Als ihn Krankheit dazu zwang, bat er am 26. April 1787 den Freiburger Stadtrat, ihm in seinem günstig gelegenen Haus den Kaffee- und Bierausschank zu gestatten, weil er „alt und auf einem Auge blind, durch seine Kunst nichts mehr verdienen" könne. Außerdem stand der veränderte Zeitgeschmack gegen ihn, das heißt, daß wegen des stilistischen Wandels zum beginnenden Klassizismus die Aufträge bei ihm ausgeblieben waren. Pfunner betonte vor dem Rat, „meistens mit Ausmalung der Kirchen und derlei Gemälden, die auf die Kirchen einigen Bezug hatten, seinen Unterhalt gewonnen zu haben," der ihm aber durch die „Verbesserungsanstalten benommen" worden sei. Er starb 1788 in Freiburg und hinterließ ein so großes künstlerisches Werk, daß es einer umfangreichen Beschreibung bedürfte, wenn ich seine Deckengemälde und Altarblätter in Südbaden, Südwürttemberg und im Elkß aufzählen wollte. Zeitgenössische Stimmen priesen Johann Pfunner nicht ohne Grund als den „kunstreichen Maler von Freiburg." 

Joseph Ammann (ca. 1713/20-1796), den in Endingen eingeheirateten Tiroler Barockbildhauer, nennen die Kirchenrechnungen der St.Peterskirche als Schöpfer des Hochaltartischs mit Tabernakelaufbau und der beiden großen Seitenaltäre. Dem einheimischen Bildhauer Bernhard Löffler (1743-1805) vertraute man dagegen die Schaffung der Kanzel an. Neu-St.Peter liefert uns so einen wichtigen Nachweis für Tätigkeit und Arbeitsweise der Endinger Barockmeister. (Siehe letzten Abschnitt meines Beitrags!) Sie trugen dazu bei, daß sich die St.Peterskirche J. B. Härings zu einer bemerkenswerten Stätte Breisgauer Barockkunst und „unbestritten zum schönsten Baudenkmal der Stadtgemeinde Endingen" (Dekan O. Eiermann) entwickelte.